In a world where you can be anything – be kind! Warum uns Freundlichkeit  so gut tut!

Du stehst in der Schlange an der Kasse – seit einer gefühlten Ewigkeit – du bist hochgradig genervt. Doch dann lächelt dich die Kassiererin an und du spürst, wie sich ein Lächeln  auch in Deinem Gesicht ausbreitet. Plötzlich fühlst du dich ganz anders, die Welt um dich herum ist heller, bunter. Du wechselst einige freundliche Worte mit der Kassiererin und gehst beschwingt aus dem Laden. Du fühlst dich wahrgenommen und bist sofort viel besser drauf.

In einer Welt, in der man, wenn man sich positioniert, damit rechnen muss plötzlich “Hater” zu haben, Menschen, die einem ungefragt ihre zumeist extrem negative und abwertende Meinung um die Ohren hauen,  ist es ja schon fast revolutionär freundlich und  wertschätzend zu sein.

Und das ist tatsächlich nicht so einfach. Denn, obwohl Freundlichkeit in uns allen genetisch angelegt ist – da wir als Menschen quasi voneinander abhängig sind – schrecken wir, insbesondere in unserer westlichen Gesellschaft, doch sehr oft davor zurück, nett zu sein.

Wir haben nämlich große Angst davor, ausgenutzt zu werden, als die „kleine Zierliche von Nebenan“ behandelt und zum Kaffee holen geschickt zu werden. Wir haben Sorge, dass Freundlichkeit als Schwäche angesehen wird, als „zu weich“, als Zeichen für Versagertum oder gar Abhängigkeit. Denn nur die Harten kommen schließlich in den Garten.

Das geht sogar so weit, dass wir Freundlichkeit misstrauen, wir hinter jedem netten Wort eine „hidden agenda“ vermuten, also einen Hintergedanken. Das ist die eine Seite, aber es gibt auch eine andere, nämlich die, die ich vorhin beschrieben habe.

Vor einigen Jahren wartete ein Mann in Kanada, in Manitoba, in einem Drive-in-Schnellrestaurant auf seine Bestellung. Als es an die Bezahlung ging, zahlte er kurzer Hand nicht nur seine Bestellung, sondern einfach auch mal die Bestellung desjenigen, der hinter im wartete. Und der war so erfreut, dass er das gleiche tat. Er zahlte neben seiner auch die Bestellung desjenigen, der hinter ihm stand. Und so ging es immer weiter, am Ende waren 226 Menschen an dieser Freundlichkeits-Kette beteiligt. Ein weiteres wunderschönes Beispiel ist der Film: Das Glücksprinzip aus dem Jahr 2000, vielleicht kennst du ihn ja. Ein Schüler wird von seinem Lehrer inspiriert sich etwas zu überlegen, wie er die Welt positiv verändern kann und er stößt damit auch eine Freundlichkeits-Kette an, bei der sich Nettigkeiten wie ein Schneeballsystem ausbreiten und damit viele Menschen glücklich machen.

In einer Metaanalyse, bei der die Ergebnisse von 36 Studien analysiert wurden, hat man anhand von Hirnscans herausgefunden, dass Menschen Freundlichkeit in zwei Bereiche unterteilen. Der erste Bereich ist die strategische Freundlichkeit, mit dem Ziel eine Gegenleistung zu erhalten – also wie ich Dir, so Du mir. Der zweite Bereich ist die altruistische Nettigkeit, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Beide Arten von Freundlichkeit führen zu einer Steigerung des Wohlbefindens, und zwar nicht nur beim Empfänger der freundlichen Geste, sondern insbesondere auch bei dem, der sie macht. Allerdings sorgen nette Gesten und Worte ohne Gegenleistungserwartung für eine weitaus größere Hirnaktivität und so auch für mehr Wohlgefühl. Das Motiv der Freundlichkeit ist also ausschlaggebend dafür, wie gut ich mich danach fühle.

Nett zu sein verbessert also unsere Laune und unser Lebensgefühl und – es wirkt ansteckend. Welche positiven Effekte gibt es noch?

  • Freundlichkeit ist gut für unser Herz. Sie erzeugt oft emotionale Wärme. Und diese produziert im Gehirn und im Körper das Hormon Oxytocin. Oxytocin bewirkt, dass sich die Gefäße weiten und so der Blutdruck sinkt. Das hat also nicht nur eine sehr positive Wirkung auf unser Herz, sondern wirkt auch gegen Stress-Symptome, wie z. B. hoher Blutdruck.
  • Freundlichkeit reduziert Stress und Stress-Symptome
  • Oxytocin bewirkt noch ein Weiteres, nämlich, dass sich die Beziehung zwischen dem Geber der Nettigkeit und dessen Empfänger verstärkt
  • Außerdem können nette Gesten schmerzlindernd wirken. Weil sie die Ausschüttung von Dopamin, Serotonin und von körpereigenen Opioiden bewirken. Endogene, also körpereigene Opioide werden normalerweise bei Stress ausgeschüttet, um akute Schmerzen zu unterdrücken und den Körper kampfbereit und überlebensfähig zu halten. Hier wirken sie schmerzlindernd weil sie aus einem positiven Ereignis heraus ausgeschüttet werden.
  • Freundlichkeit verlangsamt das Altern. Das Altern hat viele unterschiedliche Ursachen, darunter auch biochemische. Und dabei spielen Entzündungen und freie Radikale eine wichtige Rolle. Studien haben gezeigt, dass gerade das Hormon Oxytocin die Anzahl freier Radikaler und das Auftreten von Entzündungen reduzieren kann, was sich dann zusätzlich auch noch positiv auf das Herz auswirkt.

  • Das Immunsystem wird gestärkt. Patienten von freundlichen Ärzten genesen viel schneller von Krankheiten als Patienten von gleichgültigen oder unfreundlichen Ärzten
  • Im Gegensatz zu unser Angst als schwach bewertet zu werden, haben Experimente gezeigt, dass insbesondere die nettesten, altruistischsten Probanden den höchsten Status erreichten, den größten Respekt genossen und dabei – und das ist meines Erachtens ein sehr wichtiger Punkt – das höchste Selbstwertgefühl hatten.

Und dieses Selbstwertgefühl ist meiner Meinung nach ganz entscheidend, wenn es darum geht, sich zu trauen Freundlichkeit zu leben.

Denn obwohl es sehr viele Vorteile gibt, freundlich und nett zu sein und obwohl Freundlichkeit genetisch quasi in uns angelegt ist, werden viele Menschen dennoch davor zurückschrecken.

Viele werden sagen, “Ja klar, das mag ja sein, aber wenn ich zu freundlich bin, dann werde ich in meinem Job nicht für voll genommen. Deshalb muss ich manchmal auch herrisch, ungehalten und unfreundlich sein, um akzeptiert zu werden und mich durchzusetzen.”

Diese Erfahrung habe ich in meinem Berufsleben – auch als Aufsichtsrätin – nicht gemacht und mache sie auch weiterhin nicht. Ich lebe meine Frohnatur und sehe es überhaupt nicht ein, mich mutwillig in schlechte Laune zu versetzen, um vermeintlich besser akzeptiert zu werden. Denn sind wir mal ehrlich: Wie andere uns bewerten, können wir nicht beeinflussen. Egal, was wir tun, es wird immer Menschen geben, die das gut finden und Menschen, die das kritisieren. Und was heute als gut bewertet wird, kann morgen schon als negativ bewertet werden.  Das sehen wir jeden Tag in den Nachrichten und in den sozialen Medien.

Es kommt schlicht und einfach auf Deine Haltung an. Auf die Art und Weise, wie selbstverständlich und selbstbewusst Du mit Deiner Persönlichkeit umgehst. Denn wie bei allem, gibt es auch bei der Freundlichkeit eine gesunde Polarität: Zur Freundlichkeit gehört auch Bestimmtheit, zur Hilfsbereitschaft die Fähigkeit Grenzen zu setzen. Auch ein „Nein“ kann überaus freundlich und wertschätzend rüberkommen.

Die Positive Psychologie hat dazu eine Übung entwickelt, die Random Acts of Kindness, also die „zufällige Nettigkeit“.

Dazu möchte ich Dich gerne zu einem Versuch einladen: Wie wäre es, wenn Du in dieser Woche mit offenen Augen durch Deine Welt gehst, nimm Deine Begegnungen bewusst wahr und säe kleine Nettigkeiten in Deinen Alltag. Achte aber bitte darauf, dass Du das tust, ohne eine Gegenleistung zu erwarten und ohne es vorab zu planen. Die Freundlichkeiten sollten am besten spontan kommen. Sonst gerätst du mental in Stress, weil du unbedingt nett sein möchtest.

Und dann schreibe auf, wie Du Dich fühlst und wie sich Deine Laune und Dein Befinden verändern.

Wie könnte das aussehen?

  • Mache ehrliche Komplimente, Betonung auf ehrlich
  • Schreibe eine handgeschriebene, old-school Karte an jemanden
  • Wünsche jedem, den Du triffst einen wunderschönen guten Morgen
  • Mache ein kleines Geschenk, bringe Blumen mit
  • Mache eine Spende
  • Lächele eine fremde Person einfach an

Dir werden sicherlich viele Möglichkeiten einfallen.

Und nun wünsche ich Dir viel Erfolg beim Praktizieren und viele neue Erkenntnisse.

Und wenn Du jetzt Lust bekommen hast und mehr über Stress und einen gesunden Umgang mit Stress erfahren möchtest, freue ich mich, wenn Du meinen Podcast abonnierst oder ihn mit Freunden und Bekannten teilst oder meine website www.business-in-balance.net besuchst.

Leider können aufgrund der derzeitigen Coronavirus Situation keine Offline Stressmanagement Seminare stattfinden, aber Mitte Mai wird mein Stress-Off Onlinekurs an den Start gehen, bei dem ich dich über einige Wochen hinweg darin begleite, Tools und Werkzeuge des Stressmanagements effektiv in deinen Alltag zu integrieren und umzusetzen. Dabei kannst Du selbst bestimmen, in welchen Rhythmus und zu welcher Zeit, an welchem Ort auch immer Du an Deiner Stresskompetenz arbeiten möchtest.

Wenn Du Interesse an diesem Kurs hast und mehr Informationen haben möchtest, schreibe mir eine kurze formlose Email und ich informiere Dich, wann es losgeht.

Bis dahin – don’t forget to relax!

Deine Silke

Und wenn Du Dir diesen Blog gerne als Podcast anhörst, Du findest ihn bei apple und itunes unter “Stress-Off”

oder bei spotify