Warum Multitasking dumm macht!

Wer kennt es nicht, der Schreibtisch quillt über, in verschiedenen Projekten gibt es Baustellen, denen man sich annehmen muss, gleich beginnt die Budgetsitzung und ein Vortrag muss auch noch ausgearbeitet werden. Dazu kommen unzählige Emails, die aufgrund der unterschiedlichen Zeitzonen nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht eintrudeln. Und: Wir verspüren den gnadenlosen Drang, uns um alles gleichzeitig zu kümmern. Das Telefon klingelt und während wir mit dem Kollegen über den Stand von Projekt X debattieren, zieht eine reinkommende Email unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Sicherlich haben Sie das auch schon erlebt: Sie sind im Telefongespräch mit einem Geschäftspartner, der plötzlich sehr wortkarg wird und dann ganz verstummt – während Sie auf eine Reaktion seinerseits warten. Nach einigen Sekunden bis Minuten meldet er sich verwirrt zurück und gibt eine Antwort, die gar nicht zur Frage passt. Er war quasi abgetaucht!

Einerseits bleiben Sie mit dem Eindruck zurück, nicht wichtig genug zu sein, als dass er Ihnen während des Gesprächs seine volle Aufmerksamkeit widmet. Andererseits zeigt dieses Beispiel aber auch sehr deutlich, dass unser Gehirn eben nicht dazu in der Lage ist, Aufmerksamkeit auf mehrere Dinge gleichzeitig zu lenken. Daran hat sich – leider – auch in den Zeiten der Internet-Generation und des Informations- und Unterhaltungsüberflusses, mit dem wir alle zurechtkommen dürfen, nichts geändert.

Im Gegenteil. Studien an der Stanford University haben herausgefunden, dass besonders diejenigen, die sich selbst als „geübte Multitasker“ bezeichneten, bei einfachen Unterscheidungsaufgaben am schlechtesten abschnitten. Ihre Konzentrationsfähigkeit war nachhaltig gestört und teilweise gar nicht mehr vorhanden. Häufiges Multitasking mache nervös, fahrig, kränker und dümmer. Das Gehirn kann die aufgenommenen Informationen nicht wirklich verarbeiten und merkt sich nur einen oberflächlichen Bruchteil davon.

Jede Störung kostet 30 Minuten

Forschungen in einem großen Unternehmen haben gezeigt, dass 85 % der Angestellten innerhalb von 2 Minuten auf Emails antworteten, davon 70 % sogar innerhalb von 6 Sekunden! Dabei wird klar, dass nicht nur die Aufmerksamkeitsverteilung das Problem ist. Sondern insbesondere das Hin- und Her-Switchen zwischen Tätigkeiten und die daraus resultierenden Unterbrechungen und Störungen im Arbeitsablauf. Wir brauchen ca. 30 Minuten, um uns wieder in die unterbrochene Arbeit einzufinden.

So flattern wir herum wie ein Schmetterling, der an jeder Blüte nascht, um uns am Ende des Tages verzweifelt zu fragen, was wir eigentlich geschafft haben und ob wir überhaupt einen Schritt weitergekommen sind.

Statt uns weiterzubringen frisst Multitasking also Zeit, die wir nicht haben, schrumpft unsere Konzentrationsfähigkeit, schafft nur oberflächliches Wissen, beschert uns Stress, Frustration, Angst (nicht mehr rechtzeitig fertig zu werden) und führt zu starken Ermüdungserscheinungen.

Was können wir stattdessen tun?

Prinzipiell könnten wir viel mehr erledigen und erreichen, wenn wir uns auf eine Sache konzentrierten.

Es gibt einige Ansätze, wie wir das erreichen können.

  • Aufschreiben und Kategorisieren
    Wenn wir Aufgaben aufschreiben und kategorisieren („sofort zu erledigen“, „kann warten“, „bald zu erledigen“), erlösen wir unser Gehirn davon, uns pausenlos an das zu erinnern, was wir nicht vergessen dürfen. Eine klare Priorisierung der Ziele am Morgen, die wir erreichen wollen mit einer kurzen Skizzierung, wie das gewünschte Ergebnis bestenfalls aussehen soll, hilft nicht nur unserem Gehirn. Sie bewirkt auch eine neurochemische Belohnungsreaktion, wenn wir eine Aufgabe abhaken können.
  • Auf die Perspektive der Aufgabe achten
    Die Perspektive, aus der wir an die Aufgabenerledigung gehen, spielt für unser Gehirn ebenfalls eine große Rolle. So finden Arbeit und deren Bewertung sowie Planung und Durchführung jeweils in unterschiedlichen Bereichen unseres Gehirns statt. Es ist somit sinnvoll, bei der Arbeit keine Perspektivwechsel vorzunehmen. Also bei der Planung nicht gleich an die Ausführung zu denken, sondern entweder zu planen oder auszuführen.
  • Zeitfenster schaffen
    Auch das Schaffen von Zeitfenstern, zum Beispiel für das Bearbeiten von Emails oder von Aufgaben, die schnell erledigt werden können, ist zielführend. Diese Aufräumarbeiten im Gehirn erleichtern dasselbe ungemein. Gleiches gilt übrigens auch für den Schreibtisch oder das Büro. Ein aufgeräumtes Umfeld fördert innere Ruhe und steigert die Kreativität.

Wie immer kommt es auf die Balance an

  • Entspannung einplanen
    Planen Sie aktiv Entspannungsphasen in den Tagesablauf. Unser Gehirn braucht die Balance zwischen An- und Entspannung, um gesund und leistungsfähig zu bleiben! Machen Sie einen Spaziergang in der Mittagspause oder nutzen Sie Atemtechniken, die Ihre Gedanken beruhigen. Auch kurze Dehnungsübungen am Schreibtisch verhelfen Ihnen zu einem kurzen Break.
  • Mentale Energie tanken
    Gerade in stressigen Situationen, wenn sich die Aufgaben türmen ist es wichtig, mental stark zu bleiben. Machen Sie sich bewusst, was Ihnen heute Gutes widerfahren ist, was empfanden Sie als besonders schön, was hat Ihnen gut getan? Sammeln Sie schöne Momente, an die Sie sich im Stress erinnern können.

Viel Spaß und Erfolg beim Umsetzen 😊

Lesenswert:
Psychologie Heute compact, Heft 58, Vom Glück des Weniger